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Sonntag, 20. Dezember 2009, 18:59

Mein Praktikum im Schlachthof

http://www.emma.de/mein_praktikum_im...thof_1_06.html

So etwas träumt man in bösen Träumen, aus denen man nachts
schweißgebadet aufschreckt: Inmitten wabernden Nebels, in Eiseskälte
und schmutzigem Zwielicht dieses unnennbar böse Bauwerk, dieser flache,
anonyme Klotz aus Beton und Stahl und weißen Kacheln, ganz hinten am
frosterstarrten Waldesrand; hier geschieht das Unaussprechliche, wovon
niemand wissen will.


Die Schreie sind das erste, was ich höre an jenem Morgen, als ich
eintreffe, um ein Pflichtpraktikum anzutreten, dessen Verweigerung für
mich fünf verlorene Studienjahre und das Scheitern aller Zukunftspläne
bedeutet hätte. Schon aus der Ferne, als ich aus dem Bus steige, höre
ich die Schreie der Schweine. Sechs Wochen lang werden sie mir in den
Ohren gellen, Stunde für Stunde, ohne Unterlass. Durchhalten. Für dich
ist es irgendwann zu Ende. Für die Tiere nie.

Von hinten stupst mich etwas in die Kniekehle, ich fahre herum und
blicke in zwei wache blaue Augen. Schweineaugen. Ich werde diese Augen
sehr bald noch anders kennen lernen: Stumm schreiend vor Angst, von
Schmerzen stumpf, und dann blicklos, gebrochen, aus den Höhlen
gerissen, über den blutverschmierten Boden kollernd. Der Rundgang durch
den Schlachthof, im Pausenraum beginnend.

Eine offene Fensterfront zur Schlachthalle, am Fließband schweben
fahle, blutige Schweinehälften vorbei. Zwei Angestellte sitzen beim
Frühstück, Wurstbrot. Die weißen Kittel der beiden sind
blutverschmiert, unter einem Gummistiefel hängt ein Fetzen Fleisch.
Dann die Schlachthalle. Ich zucke zurück, weil eine Schweinehälfte
scharf um die Ecke saust und gegen die nächste klatscht. Sie hat mich
gestreift, warm und teigig.

Schreie, das Kreischen von Maschinen, Blechgeklapper. Der
durchdringende Gestank nach verbrannten Haaren und versengter Haut. Der
Dunst von Blut und heißem Wasser. Gelächter, unbekümmerte Rufe.
Blitzende Messer, durch Sehnen gebohrte Fleischerhaken, daran hängende
halbe Tiere ohne Augen und mit zuckenden Muskeln. Fleischbrocken und
Organe, die platschend in eine blutgefüllte Rinne fallen, so dass der
Sud an mir hoch spritzt. Fettige Fleischfasern am Boden, auf denen man
ausrutscht. Menschen in Weiß, von deren Kitteln das Blut rinnt, unter
den Helmen oder Käppis Gesichter, wie man sie überall trifft: in der
U-Bahn, im Kino, im Supermarkt.

Fleisch essen ist ein Verbrechen. ...Jeden, denke ich, jeden der
Fleisch isst, sollte man hier durchschicken, jeder müsste es sehen, von
Anfang bis Ende.
Das steril verschweißte Schnitzel im Supermarkt hat keine Augen mehr,
die überquellen vor nackter Todesangst, es schreit nicht mehr.

Ich stehe hier nicht, weil ich Tierarzt werden will, sondern weil
Menschen meinen, Fleisch essen zu müssen. Und nicht nur das allein:
Auch, weil sie feige sind. Das steril verschweißte Schnitzel im
Supermarkt hat keine Augen mehr, die überquellen vor nackter
Todesangst, es schreit nicht mehr. Das alles ersparen sie sich, all
jene, die sich von geschändeten Leichen nähren: "Also, ich könnte das
nicht!"

Ich ...habe Zeugnis abgelegt, und jetzt will ich versuchen zu
vergessen, um weiterleben zu können. Kämpfen mögen nun andere; mir
haben sie in jenem Haus die Kraft dazu genommen, den Willen, die
Lebensfreude, und sie gegen Schuld und lähmende Traurigkeit getauscht.
Die Hölle ist unter uns, vieltausendfach, Tag für Tag.

http://www.emma.de/mein_praktikum_im...thof_1_06.html

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Der Bericht ist wohl auch nicht mehr der jüngste aber sicherlich

immer noch hoch aktuell. Die Autorin arbeitet heute als Tierärztin und

beschreibt in der Zeitschrift Emma ihr Praktikum in einem Schlachthof,

das angehenden Tierärzten, auch gegen ihren Willen, oftmals aufgedrückt

wird.
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ASY

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2

Mittwoch, 23. Dezember 2009, 11:35

Als 18Jähriger arbeitete ich mal am Linzer Schlachthof und ich kann diese Wahrnehmungen nur bestätigen. Sie machen einen hilflos und dennoch wundere ich mich, dass ich noch immer Fleisch esse.

3

Mittwoch, 23. Dezember 2009, 13:04

Eine kapitalistisch, speziesistische Gesellschaft liefert ihren Bürgern neben viel Fleisch, eben auch gleich die "Argumente" und Verdrängungsmechanismen mit, die sie Fleisch essen lassen, auch wenn sie es gar nicht mehr wollen. Ganz deutlich wurde dies bei den vielen Fleischskandalen, als immer mehr Menschen kein Fleisch mehr essen wollten. Als dann dem Fleischhandel ernster Schaden drohte, gab es in den Medien breit angelegte Kampagnen, die alle nur betonten, dass die Fleischskandale ja nicht dazu führen sollten, dass man nun gar kein Fleisch mehr esse, da so etwas angeblich ja auch der deutschen Wirtschaft schaden würde. Und was machte das Volk? Es fraß brav weiter alles das, was die Werbung ihnen anpries.
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4

Donnerstag, 24. Dezember 2009, 17:24

"Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch immer Schlachtfelder geben!" (Tolstoi)

Fleisch bietet sich in stressigen Zeiten als "idealer" Nahrungs- und Nährstofflieferant an. Für vegetarische Kost und vor allem bei Rohkost benötigt viel Zeit zum Kauen. Außerdem sättigt Fleisch sehr schnell und man muss nicht viel darüber nachdenken. Die "Wissenschaft" tut ihr eigenes dazu und behauptet, dass tierisches Eiweiß für den menschlichen Körper unabdingbar sei. Ob das gleiche auch für den menschlichen Geist gilt, bezweifle ich doch sehr. Hat schon das tierische Eiweiß bei Kühen zu argen Verhaltenausfälligkeiten - Geisteskrankheiten - geführt, ist das beim Menschen genauso möglich. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass der Mensch tatsächlich ein Vegetarier wäre. Das Gebiss und der Verdauungstrakt würden meiner Meinung nach darauf hinweisen.

Wie dem auch sei, es ist nicht einfach sich vegetarisch zu ernähren. Zuerst ließ ich das Fleisch weg, dann den Fisch und jetzt bleibt noch eine überschaubare Menge an Milchprodukten (in Form von Käse) übrig.
Die glücklichen Sklaven
sind die
erbittertsten Feinde der Freiheit!

Marie von Ebner-Eschenbach

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5

Donnerstag, 24. Dezember 2009, 18:41

Der Mensch braucht wohl Eiweiß, nicht aber unbedingt tierisches. Millionen von Veganern weltweit belegen dies. Eine vegetarisch oder vegane Ernährung ist aber etwas ganz anderes, als nur das Fleisch oder die Milchprodukte vom Speiseplan zu streichen. Viele lernen dadurch erst manche vegane Produkte kennen und schätzen, die Omis oftmals gar nicht kennen. Die Lebensmittel für Vegetarier und Veganer sind also eindeutig vielfältiger und bunter. Es ist wahrlich nicht schwer sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, wenn man es nur mal probiert. Dazu findet man heute im Netz auch unzählige Rezepte und Einsteigertipps.

In diesem gemischten vegetarisch/veganen Forum schreibe ich auch öfters mal. Da posten auch viele Leute, die in den Vegetarismus oder Veganismus einsteigen wollen.

Vegetarier-Forum:
http://www.vegetarierforum.com/index.php
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6

Donnerstag, 24. Dezember 2009, 23:41

Du hast schon recht, vegetarisches Essen heißt nicht gleichzeitig lustloses Verzichtüben. Es gibt so viele Gerichte, aber man muss lernen sich umzustellen. Persönlich rate ich allen welche sich nicht mehr tierisch ernähren wollen, nicht von heute auf morgen auf alles tierische zu verzichten. Man kann auch über mehrere Etappen zum Ziel kommen. Erstaunlich sind immer wieder die Aussagen die man bekommt, wenn man sagt ich esse kein Fleisch/Fisch. "Ist man dann noch leistungsfähig oder nicht krankheitsanfällig?" Naja, an freien Tagen fahre ich so 5 Stunden mit dem Fahrrad und keiner kommt wohl auf die Idee, einem Pferd Fleisch zum Essen zu geben damit es schneller läuft.
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Marie von Ebner-Eschenbach

7

Freitag, 25. Dezember 2009, 00:10

Die Elefanten, Nashörner und Büffel werden durch Fleisch auch nicht stärker. Und kein Fastfoodfan möchte es mit einem Gorilla aufnehmen. Als Handwerker mußte ich auch stets körperlich arbeiten. Da kommt es aber auch mehr auf Ausdauer an, die durch die vegane Ernährung eher gefördert wird.




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Samstag, 26. Dezember 2009, 19:56

:D
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9

Sonntag, 27. Dezember 2009, 00:59

auch wenn er hin und wieder ganz schön daneben liegt, hier hat er verdammt recht. hagen rether:

http://www.youtube.com/watch?v=eRnMuKM6mFg


die grinsende wurst, der tannenbaumaufschnitt um weihnachten, das sind anreize - zum kotzen. auf der uni wien im gang richtung audimax gabs (gibt's?) werbeplakate fürs fleischfressen. "fleisch macht klug" oder so ähnlich. bin ich gleich zum fleischhauer und hab auf die vorlesung geschissen.
man muss aufpassen, dass schreibspeise nicht zu speischreibse wird

HerrAbisZ

alias HerrAbisZ - unbequemer Zeitgenosse

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10

Sonntag, 27. Dezember 2009, 10:54

Vielleicht schaut ihr euch doch den Prof. Dr. Walter Veith dazu an?

http://www.youtube.com/user/Nature23Info…ADC8E956E339E68

Da gibt es noch 9 Stunden zu "Gesundheit", da bin ich aber noch nicht durch!

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