Und dann war da noch eine Sache mit der Glühbirne.
Es gibt Sachen, die uns zwar ohne Bedeutung erscheinen, die wir aber trotzdem nie vergessen. Für mich ist so eine Sache eine Glühbirne, die sich im Keller des Hauses befand, in dem ich seit meiner Kindheit, bis zu meinem 29 Lebensjahr lebte. Es war eine Mundgeblasene Glühbirne, mit einem spitzen Abriss an derer oberen Rundung. Eine Glühbirne, die ihrer Form nach zu urteilen, bereits einige Jahrzehnte davor, in dem Keller ihre Dienste geleistet hat. Als Kind bewunderte ich diese Glühbirne, und ich vermied es nie, den spitzen Abriss an derer oberen Rundung aufzufassen. Das Haus in dem ich damals lebte hatte vier Etagen und in jeder Etage wohnten drei Familien. Jede der Familien die dort lebten, musste jeden Tag Kohle für die Beheizung der Wohnung, so wie auch des Kochherdes aus dem Keller holen, und so ging die Glühbirne Tag für Tag mehrmals an und aus. Und sie brannte und brannte und brannte. Im Alter von 29 Jahren bin ich aus dem Haus ausgezogen. Kurze Zeit später verließ ich die Stadt und schließlich auch das Land. Die Glühbirne aber, die habe ich nicht vergessen. Mittlerweile bin ich 74 Jahre alt. Vor fünf Jahren, kam ich nach fast vierzig Jahren an dem Haus meiner Jugend vorbei und plötzlich verspürte ich ein Bedürfnis, mir die Tür der Wohnung in der ich früher lebte anzuschauen. Die Tür mit der glänzenden Messingklinke war zu meiner Freude noch unversehrt da. Beim verlassen des Hauses konnte ich nicht widerstehen, ein Blick in den Kellereingang zu werfen. Ich wollte sehen, ob wenigstens die Fassung da ist, in der früher die Mundgeblasene Glühbirne eingeschraubt war. Zu meinem Erstaunen sah ich, dass nicht nur die Fassung da war, sonder auch die alte Glühbirne. Und das erstaunliche daran war - sie brannte immer noch.
Aber warum erzähle ich das alles? So interessant kann keine Glühbirne sein, um über sie noch nach mehr als vier Jahrzehnten zu berichten. Nein – die Glühbirne als solche ist wirklich nicht interessant, aber sie brachte mich auf einen interessanten Gedanken. Wie ist es möglich, dass diese Mundgeblasene Glühbirne noch brannte? Die Forschung schreitet mit Meilen-Schritten voran, die Herstellungsprozesse, so wie auch die verwendeten Materialien, werden ständig verbessert und Trotzdem verbrauchte ich während der Zeit in der diese Glühbirne immer noch funktionierte, hunderte von den der neuen Glühbirnen.
Die Antwort darauf ist schlicht und einfach. Beim heutigen Stand der Wissenschaft wäre nichts einfacher, als eine Glühbirne herzustellen, die zwar nicht ewig, die aber lange Jahre brennen kann. Das wäre aber nicht im Interesse der Glühbirnenhersteller. Um die Glühbirnenindustrie am Leben zu erhalten, müssen die Glühbirnen nur von begrenzter – genauer gesagt von kurzer Lebensdauer sein.
Daraus folgt: Nichts interessiert einen Glühbirnenhersteller weniger, als die Erfindung einer ewigen Glühbirne. Und so verhält es sich mit allen Produkten. Eine ewige Socke zum Beispiel, hätte zur Folge den sicheren Tot der Sockenindustrie und den Tot derer Erfinder wahrscheinlich auch. Und nun kommt der Gedanke, auf den mich diese alte Mundgeblasene Glühbirne brachte: Eine perfekte Glühbirne kollidiert mit Interessen derer Hersteller und eine Socke, die nie kaputt geht ist Gräuel für aller Sockenhersteller. Kann mir nun jemand erklären, warum sollte sich die Pharmaindustrie und mit ihr alle die an der Krankheit ihr Geld verdienen gesunde Menschen wünschen?
Ein böser Gedanke! Ein Gedanke, der mir vor den Pillen die uns gesund machen sollen Angst macht.