Du bist nicht angemeldet.

1

Montag, 31. Dezember 2007, 13:02

Paul Coelho - Der Zahir

[book]3257235801[/book]
Inspiriert von meinem Buch muss ich hier einen Auszug daraus posten:
In diesem Sinn: Wünsche ALLEN ein GUTES NEUES JAHR 2008

Zitat von »Paul Coelho - Der Zahir (Seite 138 - 141) ISBN-10: 3257235801«

Ich weiß nicht, wie ich es schaffte, mich inmitten all dieser Leute zu erheben. Sie waren von der Geschichte des Mannes sichtlich schockiert, den es erregte, sich vorzustellen, dass seine Frau mit einem anderen schlief. Niemand schien auf mich zu achten, aber das machte es mir leichter, zu beginnen.

»Tut mir leid, wenn ich nicht so direkt sein kann wie die beiden, die vor mir gesprochen haben, aber auch mir liegt etwas auf der Seele. Heute war ich an der Gare de l‘Est und habe mir sagen lassen, dass der Abstand zwischen den Schienen hundertdreiundvierzigeinhalb Zentimeter oder vier Fuß und achteinhalb Zoll beträgt. Warum dieses unsinnige Maß? Ich habe meine Freundin gebeten, den Grund dafür herauszufinden, und hier ist er: Weil beim Bau der ersten Eisenbahnwagen die gleichen Werkzeuge verwendet wurden wie für den Bau von Kutschen.

Aber warum war dies der Abstand der Kutschenräder? Weil die alten Straßen für dieses Maß gebaut waren und nur so der Kutschenverkehr möglich war.
Wer aber hat beschlossen, dass Straßen nur mit diesen Maßen gebaut werden durften? Und da geraten wir plötzlich in eine ferne Vergangenheit: Festgelegt haben das nämlich die Römer, die ersten großen Straßenbauer. Aus welchem Grund? Die Kriegswagen wurden von zwei Pferden gezogen — und stellt man zwei der Rassetiere nebeneinander, die damals benutzt wurden, dann nahmen sie hundert dreiundvierzigeinhalb Zentimeter ein.

Und so kommt es, dass der Abstand zwischen den Schienen, die ich heute gesehen habe und die von modernen Hochgeschwindigkeitszügen befahren werden, von den Römern bestimmt wurde. Als in den USA Einwanderer aus Europa dort Eisenbahnen bauten, fragten sie nicht, ob es besser wäre, die Spurweite zu verändern, sondern bauten nach denselben Vorgaben weiter. Dies hat sogar die Konstruktion der Spaceshuttles beeinflusst. Eigentlich waren die amerikanischen Ingenieure der Meinung, dass die Brennstofftanks breiter sein müssten, aber da diese in Utah gebaut wurden, mussten sie mit der Bahn bis zum Space Center in Florida transportiert werden und hätten, wären sie breiter gewesen, nicht durch die Tunnel gepasst. Schlussfolgerung: Sie mussten sich dem beugen, was die Römer einst als ideales Maß festgelegt hatten.
Und was hat das nun mit der Ehe zu tun? «

Ich machte eine Pause. Einige Leute waren überhaupt nicht an Eisenbahnschienen interessiert und fingen an, mit einander zu reden. Andere, unter ihnen Marie und Mikhail, hörten mir ganz aufmerksam zu.

»Das hat alles mit der Ehe und den beiden Geschichten zu tun, die wir gerade gehört haben. Irgendwann ist jemand gekommen und hat gesagt: Wenn ihr heiratet, müsst ihr beide unverändert bleiben, wie tief gefroren. Ihr werdet nebeneinander her laufen wie zwei Schienen und genau dieser Norm gehorchen. Selbst wenn einer das Bedürfnis hat, sich mal etwas zu nähern, mal etwas zu entfernen, so verstößt das schon gegen die Regeln. Die Regeln lauten: Seid vernünftig, denkt an die Zukunft, an die Kinder. Ihr dürft euch nicht mehr verändern, müsst sein wie die Schienen: Der Abstand zwischen euch muss beim Ausgangsbahnhof, unterwegs und am Zielbahnhof immer gleich groß sein.
Ihr dürft nicht zulassen, dass sich eure Liebe verändert, auch nicht, dass sie am Anfang zunimmt und unterwegs oder am Zielbahnhof abnimmt — das wäre höchst riskant. Also müsst ihr, wenn die Begeisterung der ersten Jahre verflogen ist, immer denselben Abstand einhalten, immer gleich solide bleiben, immer gleich gut funktionieren. Ihr seid dazu da, dass sich der Zug des Überlebens der Gattung in die Zukunft bewegt. Eure Kinder werden nur glücklich sein, wenn ihr bleibt, wie ihr immer wart — in einem gleich bleibenden Ab stand von hundertdreiundvierzigeinhalb Zentimetern zu einander. Wenn ihr unzufrieden wegen etwas seid, das sich nie verändert, dann müsst ihr an die Kinder denken, die ihr auf die Welt gebracht habt.

Denkt an die Nachbarn. Zeigt ihnen, dass ihr glücklich seid, sonntags grillt, dass ihr fernseht, der Gemeinschaft helft. Denkt an die Gesellschaft! Zieht euch so an, dass alle sehen können, es gibt keine Konflikte zwischen euch. Schaut nicht rechts und nicht links, es könnte euch jemand ansehen, und das wäre dann eine Versuchung, könnte Scheidung, Krisen, Depressionen bedeuten.

Lächelt auf den Fotos. Stellt die Fotos im Wohnzimmer auf, damit alle sie sehen können. Mäht den Rasen, macht Sport, vor allem Sport, damit ihr in der Zeit konserviert werdet. Wenn der Sport nichts mehr bringt, lasst eine Schönheitsoperation machen. Aber vergesst nie: Irgendwann einmal wurden diese Regeln aufgestellt, und ihr müsst sie befolgen. Wer diese Regeln aufgestellt hat? Das ist egal. Stellt niemals solche Fragen, denn die Regeln werden immer gültig sein, auch wenn ihr nicht mit ihnen einverstanden seid. «
Gedanken sind Deine wahre Macht - wenn Du Gedanken verstehst, bist Du wahrhaft mächtig !

Die Werbung ist nur für Gäste sichtbar!

JonDonym anonymous proxy servers

IP-Check

ASY

33.333 Beiträge sind genug

  • »ASY« ist männlich
  • Private Nachricht senden

2

Montag, 31. Dezember 2007, 16:01

Ein wunderschöner Teil, der es wert war einen eigenen Thread zu verdienen.


3

Montag, 31. Dezember 2007, 16:52

So, jetzt tue ich heut nicht Silvester feiern. Das hast davon Kratzbürste!
Die glücklichen Sklaven
sind die
erbittertsten Feinde der Freiheit!

Marie von Ebner-Eschenbach

4

Montag, 31. Dezember 2007, 17:59

Wenn ich dir damit einen neuen "Gedanken" schenken konnte freue ich mich! :bussi
Gedanken sind Deine wahre Macht - wenn Du Gedanken verstehst, bist Du wahrhaft mächtig !

Die Werbung ist nur für Gäste sichtbar!

JonDonym anonymous proxy servers

IP-Check

5

Montag, 31. Dezember 2007, 18:19

Ich hab mir ja vor einigen Tagen gewünscht die Liebe zu einem Menschen wieder zu finden.

Und da ich auch bereit bin dafür etwas zu tun, beginne ich die kleinen Dinge des Lebens mit "Liebe" zu füllen. Alltäglichkeiten, die sich genau ab einem bestimmen Augeblick verändern - wenn man sich selber in dieser Alltäglichkeit verändert. Und keine Sekunde früher!

Ein Lächeln das berührt, ein Blick der verführt, ein offenes Ohr, zu hören was das Gegenüber meint (und nicht nur was es sagt) einfach in ALLEM ein Stück Liebe - auch wenn ich dabei auf Unverständnis in meinem engsten Kreise stoße. Ich hab herausgefunden, dass mich der andere Weg niemals glücklich machen kann.
Gedanken sind Deine wahre Macht - wenn Du Gedanken verstehst, bist Du wahrhaft mächtig !

6

Montag, 31. Dezember 2007, 21:18

Die Welt um mich herum ändert sich nur, wenn ich mich ändere.
Nicht ich ändere mich, wenn sich meine Welt ändert.

Wie bei den Eisenbahnschienen - die beiden laufen immer im selben Abstand von einander durch die Welt - die sich ständig ändert, nur der Abstand bleibt immer der gleiche.
Jedoch wenn ich das Tabu breche, wenn ich die Schienen nicht immer im gleichen Abstand von hundertdreiundvierzigeinhalb Zentimeter oder vier Fuß und achteinhalb Zoll nebeneinander laufen lasse, dann werden viele Neue und Unbekannte Dinge passieren. Die sich erst ergeben können, wenn ich mir anmaße, die Regel zu brechen. Bin ich mutig genug?
Gedanken sind Deine wahre Macht - wenn Du Gedanken verstehst, bist Du wahrhaft mächtig !

7

Montag, 31. Dezember 2007, 23:18

Wenn ich dir damit einen neuen "Gedanken" schenken konnte freue ich mich! :bussi

Hab mich auch für den :bussi gefreut und sende Dir natürlich ebenfalls einen.

Die Geschichte oder warum die Schienen so breit sein "müssen" (in Russland sind diese nicht gleich wie bei uns) ist doch nur ein winzig kleiner Teil vom Leben aber dennoch beispielhaft. Beispielhaft dafür, dass der Mensch gerne auf etwas Gegebenen aufbaut und nur ungern wirklich Neues schafft/wagt. Stets müssen Vergleiche/Schablonen heran gezogen werden. Man muss nicht damit falsch liegen, wenn auf weichem Boden ein Haus gebaut wird. Aber sollte einmal Etage für Etage dazu kommen, wird das Fundament wohl zu weich sein. Obwohl es einmal "richtig" war.

Wenn ich beim zuknöpfen meines Hemdes unten falsch beginne dann wird man diesen Umstand in der Mitte und sogar noch oben nicht erkennen können. Doch beim letzten Knopfloch würde der fundamentale Fehler sichtbar werden. Ich glaube, heute würde man hergehen und einfach das fehlende Knopfloch als chic, als den "letzten Schrei" erklären und verkaufen. Nur nichts mehr aufmachen was sich doch schon so lange (etwas 8 Knöpfe lang) bewährt hat.
Die glücklichen Sklaven
sind die
erbittertsten Feinde der Freiheit!

Marie von Ebner-Eschenbach

8

Dienstag, 1. Januar 2008, 17:58

Ich glaube, heute würde man hergehen und einfach das fehlende Knopfloch als chic, als den "letzten Schrei" erklären und verkaufen. Nur nichts mehr aufmachen was sich doch schon so lange (etwas 8 Knöpfe lang) bewährt hat.
Man würde sich einfach eine sinnhafte Erklärung einfallen lassen, um diese Fehlerquelle zu erklären. Ich persönlich würde mir ja so einen Clou wünschen, bei dem genau die beiden Teile klar erkennbar sind, die man so aus Gewohnheit mit dem ersten Griff schließt. Knopf und Knopfloch - vielleicht in einer anderen Farbe :) , aber zumindest erkenntlich. Weil ich meine Blusen mittig beginne zu zuknöpfen.

Bei mir liegt der Fehler nicht am nicht ändern der Dinge, sondern am fehlenden Hinterfragen der existenten Dinge. Manches wird auch richtig sein!
Gedanken sind Deine wahre Macht - wenn Du Gedanken verstehst, bist Du wahrhaft mächtig !

Die Werbung ist nur für Gäste sichtbar!

JonDonym anonymous proxy servers

IP-Check

9

Dienstag, 1. Januar 2008, 18:32

Man würde sich einfach eine sinnhafte Erklärung einfallen lassen, um diese Fehlerquelle zu erklären. Ich persönlich würde mir ja so einen Clou wünschen, bei dem genau die beiden Teile klar erkennbar sind, die man so aus Gewohnheit mit dem ersten Griff schließt.
Es wird/werden aus Biegen und Brechen die momentanen System verteidigt und trotz ihrer zahlreichen Fehler noch weiter forciert. Oftmals verteidigt mit völlig abstrusen Argumenten, welche schlicht nicht nachweisbar sind.

EU = Friedenswerk
, Zinsgeld = Wohlstand, Globalisierung = Chancengleichheit

Das sind alles nur Floskeln, weil nicht nachweisbar. Es ist auch nicht möglich einen Vergleich gegenüber zu stellen, weil alles andere im Keim erstickt und bekämpft wird.
Die glücklichen Sklaven
sind die
erbittertsten Feinde der Freiheit!

Marie von Ebner-Eschenbach

10

Dienstag, 1. Januar 2008, 19:51

Es wird/werden aus Biegen und Brechen die momentanen System verteidigt und trotz ihrer zahlreichen Fehler noch weiter forciert.
Und umso verzweifelter versucht wird die entstandenen Fehler auszumerzen, umso mehr Fehler treten auf. Erinnert mich an die http://www.physik.as Seite, und sein Schneemann/Loch Beispiel. Man verstrickt sich immer tiefer, ohne sich auf den Beginn zu konzentrieren.
Das sind alles nur Floskeln, weil nicht nachweisbar.
Natürlich, weil wir auch im besten Fall "leider" nur den aktuellen Status kennen, oder die Entwicklung bis genau hierher. Somit können ebenso bisher einwandfrei funktionierende Systeme irgendwann mal eine Entwicklung einschlagen, die nicht erstrebenswert ist.
Gedanken sind Deine wahre Macht - wenn Du Gedanken verstehst, bist Du wahrhaft mächtig !

Ähnliche Themen

Thema bewerten