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Freitag, 13. April 2007, 08:50

[ KB ] Die Mär vom obdachlosen Hitler

Artikelname: Die Mär vom obdachlosen Hitler
Autor: ASY
Beschreibung: „Kunstfehler“. Die Jugend des „Führers“ in Wien wurde nie lückenlos rekonstruiert.

Hannover (AP) – Mehr als 60 Jahre nach dem Tod Adolf Hitlers will die niedersächsische SPD-Landtagsfraktion Hitler posthum die deutsche Staatsbürgerschaft entziehen. [...] Vor 75 Jahren war der damals staatenlose, im oberösterreichischen Braunau/Inn geborene Hitler vom Land Braunschweig zum Landesbeamten ernannt und eingebürgert worden. Niedersachsen ist Rechtsnachfolger des Landes Braunschweig.
Associated Press, 12.März2007



Sollte diese posthume Ausbürgerung Adolf Hitlers überhaupt möglich sein, so wäre der böse Geist des 20.Jahrhunderts wieder das, was er schon einmal (30.April 1925 – 26.Februar 1932) war: staatenlos. Kein Österreicher, kein Deutscher, kein deutscher Österreicher. Der kaiserlichen Armee seines Geburtslandes hatte er sich aus Hass gegen die Habsburger entzogen, die deutsche Staatsbürgerschaft hatte er erst angenommen, um bei den Reichspräsidentenwahlen kandidieren zu können.

In seinen Wiener Lern- und Wanderjahren freilich war der junge Hitler noch normaler Bürger der k.u.k.-Monarchie. Und über diese Zeit gibt es immer noch merkwürdige Widersprüche, der eine Wiener Historikerin nachgegangen ist.

Der „Kronzeuge“ Hanisch

„Es war im Herbst 1909, als ich nach langer Irrfahrt auf den Landstraßen Deutschlands und Österreichs als müder Handwerksbursch das Asyl für Obdachlose in Meidling aufsuchte. Zur linken auf der Drahtpritsche war ein magerer junger Mensch mit ganz wund gelaufenen Füßen...“

So schildert der Landstreicher Reinhold Hanisch (1884–1937) in seinem Manuskript „Meine Begegnung mit Hitler“ den Beginn seiner Bekanntschaft mit dem späteren „Führer“ (Hauptarchiv der NSDAP, Bundesarchiv Koblenz). So wie Hitlers Jugendfreund „Gustl“ Kubizek (1888–1956) galt Hanisch allen Hitler-Biografen als sprudelnde Quelle, wenn es galt, die prägenden Jahre des oberösterreichischen Schulabbrechers auszuleuchten, der 1907 erstmals nach Wien fuhr, die Aufnahme in die Kunstakademie aber nicht schaffte und ab 1908 ständig in Wien Logis fand.

Hanisch schildert den jungen Hitler recht plastisch: Sein Anzug habe vom Regen und der Desinfektion (im Asyl) eine lila Farbe angenommen. Außer schäbigen Kleidern habe er nichts mehr besessen, habe „erbärmlich gefroren und gehustet“. Ein alter Bettler habe ihm den „Zund“ gegeben, wo es kostenlose Suppenausspeisung gab.

„Alles nicht wahr“, sagt jetzt die Wiener Historikerin Anna Maria Sigmund. Ein Autor übernehme dieses Märchen vom Vorgänger, ungeprüft. Selbst in den seriösesten und neuesten Hitler-Arbeiten werde dieser Unsinn vom obdachlosen Stadtstreicher Hitler von Generation zu Generation tradiert.

Erklärlich ist dieser schwere Kunstfehler der historischen Zunft leicht. Denn 1910 zerstritt sich Hitler mit Hanisch, der im Laufe seiner kriminellen Karriere zusammen mit Hitler im Männerheim Meldemannstraße (Wien XX.) wohnte – eine Musteranstalt für unverheiratete Männer. Hanisch verkaufte Hitlers Aquarelle – meist Wiener Stadtansichten, den Erlös teilten sie sich 50:50. Als Hanisch mit einem großen Bild des Parlaments verschwand, fackelte Hitler nicht lang und klagte beim Brigittenauer Bezirksgericht. Am 11.August1910 wurde Hanisch zu sieben Tagen Arrest verurteilt. Auf die Frage des Richters antwortete Hitler: „Ich kenne den Hanisch vom Asyl in Meidling, wo ich ihn einmal traf...“

„Einmal“. Darauf liegt die Betonung. Kubizek erinnert sich an einen Besuch in Meidling, weil Hitler mit ihm das Massenelend „studieren“ wollte. Aber selbst da war er wie „aus dem Ei gepellt“. Auch von „durchgelaufenen Schuhsohlen“ ist bei Kubizek nichts zu lesen. Hitler nannte sich gern Schriftsteller oder Student, besuchte fast allabendlich die Hofoper und verfügte über ein monatliches Einkommen, das zwar bescheiden, aber auskömmlich war.

Die Legende vom Hungerleider Hitler breitete sich aus, seit der erbitterte Hitler-Gegner Konrad Heiden 1935 Hanisch gegen Entgelt befragt hatte. Er nahm dessen „Enthüllungen“ als willkommene bare Münze und verwendete sie für seine Hitler-Bio. So teilte ihm Hanisch mit, der junge Hitler habe sich schon in Linz als Bilderfälscher betätigt: Kleine Aquarelle ins Backrohr, um sie dann als Antiquitäten bei Trödlern zu verkaufen. Anna-Maria Sigmund: „Auch hier schildert Hanisch in Wahrheit sein eigenes Leben, das er ab Anfang der Dreißigerjahre mit dem Verkauf der – von ihm selbst fabrizierten – Hitlerbilder bestritt.“

Zur finanziellen Situation: Die Historikerin rechnet die Waisenrente und ein Darlehen der einen Tante samt Zuschüssen einer weiteren Tante zusammen und kommt samt den Erlösen aus den Bilderverkäufen auf ein Mindesteinkommen von 1584 Kronen in den Jahren 1908 und 1909. „Eine Summe, mit der Durchschnittsverdiener zwei Jahre samt Familie lebten“ (Sigmund). Das Märchen vom bitterarmen jungen Hitler nährte dieser selbst genussvoll: „Ohne jede Unterstützung nur auf mich selbst gestellt, langten die wenigen Kronen, oft auch nur Heller aus dem Erlös meiner Arbeit kaum für meine Schlafstelle“ (1914). In „Mein Kampf“ malt der verhinderte Architekt diese „bittere Notzeit“ in den düstersten Farben weiter aus. Werner Maser fiel darauf ebenso herein wie Allan Bullock, William Shirer und Jetzinger. Konrad Heiden sowieso.

1925 ausgebürgert

In Wahrheit konnte sich der „Kunstmaler“ Hitler stets ein einfaches, aber zweckmäßiges Untermietzimmer leisten. Anna-Maria Sigmund listet die diversen Unterkünfte auch auf. Und wundert sich über manche Kollegen in der Zunft: Denn die Nazis machten gleich nach dem Anschluss 1938 geradezu einen Kult aus den Wohnhäusern, in denen der „Führer“ einmal wohnte. Eine Aufnahme seines Kabinetts im 3.Stock des Hauses Simon-Denk-Gasse11 am Alsergrund schließt nun die letzte Lücke, sollte es je Zweifel gegeben haben: Im Bildarchiv der Nationalbibliothek ist es einzusehen. Es trägt die Aufschrift: „Das Haus, in dem Hitler von 16.September bis November1909 als Untermieter wohnte.“ Hitlers Zeit in Wien ist nun lückenlos dokumentiert.

P.S.: Am 24.Mai1913 übersiedelte Hitler nach München; am 30.April1925 wurde er aus der österreichischen Staatsbürgerschaft entlassen und war seitdem staatenlos.

Quelle: Die Presse

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