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Mittwoch, 2. Januar 2008, 18:37

Medienmanipulationen, wer trägt die Verantwortung?

Habe ein interessantes Interview - aus dem Jahre 2001 - mit dem sehr erfahrenen Journalisten und Autor Peter Scholl-Latour gefunden, den man wohl als dem Primus inter pares unter den deutschen Journalisten bezeichnen kann. Fairerweise muss ich sagen, dass dies mein Lieblingsautor ist, wenn es um Bücher geht, welche den Nahen Osten oder Afrika betreffen. So nehme ich seine Werke zuerst einmal ungeprüft zu Kenntnis und komme mit der Zeit drauf, dass sich Vieles bewahrheitete.

Das komplette Interview

Hier ein paar Auszüge (teil aus dem Zusammenhang gerissen):

Zitat

Gibt es entsprechende Vorgaben seitens der Redaktionen?
Ich bin nach Sarajevo aufgebrochen in der schwierigsten Zeit. Damals sagten die Verantwortlichen, vielleicht finden Sie ja nicht nur Frauen, die man vergewaltigt hat, sondern auch solche, die man auch lange genug festgehalten hat, damit sie nicht abtreiben konnten. Vor allem so etwas hat interessiert. So ist das leider heute.

Die Korrespondenten und die extra entsandten Journalisten kriegen also bestimmte Erwartungen mit auf den Weg?
Mir hat man das nur einmal gesagt, dann war das vom Tisch. Doch wer jung ist und noch was werden will, muß auf solche Erwartungen und Vorgaben eingehen. Außerdem ist heute die Anpassung größer. Die Redaktionen erwarten political correctness.

Gibt es zuviel voraus- und nacheilenden Gehorsam in den Redaktionen und bei den Verantwortlichen, wie hier beim NDR-Fernsehdirektor Jürgen Kellermeier, der Wickerts Äußerungen als Unfug abgekanzelt und deutlich vor einer Wiederholung gewarnt hat!
Dieser Gehorsam ist weniger vorauseilend, er wird vielmehr oft direkt gefordert. Jemand, der nicht ein so alter Mann ist wie ich, hätte seinen Film wie »Lügen im Heiligen Land« nicht produzieren können. Wegen angeblich allzu kritischer Betrachtung Israels hätten andere ernsthafte Schwierigkeiten bekommen. Auch bei mir gab es in diesem Fall solche Stimmen, doch Dieter Stolte als ZDF-Intendant ist stark geblieben. Später haben mir die vorherigen Kritiker recht gegeben. Und eingeräumt, daß es sogar noch viel schlimmer gekommen ist, als ich es damals geschildert habe.

Sind, im Vergleich zur Presse, die Möglichkeiten des Fernsehens zur tiefer gehenden Analyse prinzipiell eingeschränkt, weil es immer auf Bilder angewiesen ist und viele Vorgänge sich der Kamera verschließen? Schon in den sogenannten Alltagssituationen, erst recht aber bei Konflikten oder in Kriegssituationen!
Der erste und einzige Krieg, von dem man unbegrenzt und in aller Freiheit berichten konnte, war der Vietnam-Krieg der Amerikaner. Sie waren damals extrem offen, transportierten einen sogar per Hubschrauber zu allen gewünschten Orten. Es gab keine Einschränkungen, auch nicht bei der Beurteilung der Lage. Doch das ist den Amerikanern auch zum Verhängnis geworden. Weil die Bilder - zum Teil sehr grausame Bilder - in die Wohnzimmer transportiert wurden. Die Amerikaner haben daraus die Lektion gezogen, daß die Öffentlichkeit nicht informiert werden darf.

Was kann, was soll sie statt dessen tun, damit die klassischen Tugenden von Distanz und Transparenz als Richtschnur gehen, damit die Quellen klar und deutlich erkennbar sind und benannt werden?
Das ist schwer. Es gibt heute Möglichkeiten der Manipulation, die es zu meiner Zeit noch nicht gegeben hat. Man kann heute elektronisch alles machen. Nehmen wir nur das klassische Beispiel aus dem Golfkrieg. Die Welt hat sich damals über die irakischen Soldaten in Kuweit erregt, die Säuglinge aus Brutkästen genommen und an der Wand zerschmettert haben sollen. Inzwischen wissen wir, daß alles in einem Studio in London gedreht wurde, extra verwackelt, mit Puppen und kostümierten Arabern. So was ist kaum oder gar nicht zu durchschauen.

Und die Berichterstattung über die sogenannten normalen politischen und gesellschaftlichen Vorgänge?
Auch die Darstellung dieser Wirklichkeit ist prekär. Nehmen wir ein Beispiel aus Simbabwe. Daß man dort nach zwanzig Jahren Unabhängigkeit sagt, jetzt reicht es, wenn 70 Prozent des fruchtbaren Landes von 4.000 weißen Farmern bearbeitet werden, die das Land mal geschenkt bekommen haben: Das erscheint mir nicht ganz unberechtigt, auch wenn die Resultate katastrophal sind. Dort sind nun sieben Farmer umgebracht worden. Doch daß seit der Machtergreifung des ANC in Südafrika 1.400 weiße Farmer umgebracht worden sind, ist nirgendwo zu lesen, zu hören oder zu sehen. Das ist skandalös.

Wird sich das ändern!
Es ist eine Frage der Prioritäten, der Voraussetzungen. So bildet bei ntv, das ich oft mit Interesse sehe, weil der Sender seine Bilder natürlich von CNN bekommt, Wirtschaft den Schwerpunkt. Klar, der Sender bekommt seine Gelder auch über die Wirtschaft. Mit dieser Wirtschaftsorientierung sind die Leute in der Zeit der New Economy, als das Wort noch Hochglanz hatte, völlig in die Irre geführt worden.

Die Privaten sind, was jetzt New York betraf, relativ einmütig gelobt worden, als routiniert und professionell. Stimmen Sie zu?
Ich habe fast ausschließlich CNN gesehen. Es ging mir darum, außer dem Ereignis auch die amerikanische Reaktion kennenzulernen, ganz abgesehen davon, daß CNN die besseren Bilder hatte. Deutsche Kommentare sind für mich irrelevant. Nehmen wir nur den Bundeskanzler, der beim Anblick dieser entsetzlichen Verwüstungen sagt, so etwas habe es nur einmal auf der Welt gegeben. Ich habe das verwüstete Berlin gesehen, das war mindestens so schlimm, von Hiroshima ganz zu schweigen.

Anfangs hatte CNN-Reporter Nic Robertson mit einem sogenannten Videophone Live-Bilder aus Kabul gesendet. Liegt die Gefahr nahe, daß mit dieser immer kleineren Technik eine hohe Aktualität bedient und gefordert wird mit der Folge, daß das äußere Bild immer vor der Einordnung kommt? Daß man also vieles schnell überträgt und zeigt, ohne wirklich etwas zu wissen?
Im Golfkrieg ist nur gemogelt worden, es hat kein authentisches Bild gegeben. Das geht von der Ölverschmutzung über die Brutkästen bis zu Militäreinsätzen, die nicht stattgefunden haben, sondern als Manöver gedreht wurden. Die systematische Tötung von irakischen Soldaten, die sich ergeben haben, hat keiner gefilmt.

Können sich Journalisten durch Spezialisierung gegen das Manipulationsspiel der Beteiligten schützen?
Der berühmte Abschiedsbrief des Terroristen Atta gehört, wie vieles andere, zum Spielmaterial, ist eine Fälschung, so wie auch der Aufruf Bin Ladens zum Heiligen Krieg in englischer Sprache. Leute, die einen solchen Anschlag so minuziös planen, lassen doch nicht ausgerechnet solche Appelle irgendwo in Mietautos liegen. Im Moment wird einfach schamlos gefälscht. Ich nehme an, daß auch die Amerikaner auf solche Sachen reinfallen. Ein Journalist kann das im Grunde nicht nachprüfen.
Die glücklichen Sklaven
sind die
erbittertsten Feinde der Freiheit!

Marie von Ebner-Eschenbach

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Mittwoch, 2. Januar 2008, 18:49

manches was er sagt ist sicherlich richtig.

anderes falsch, und plumpe scholl-selbstherrlichkeit.

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Mittwoch, 2. Januar 2008, 18:54

Das meiste was er sagt ist richtig und bestätigt sich immer wieder. Selbstherrlichkeit mag man ihm vielleicht vorwerfen, nur sollte man das kritisieren wenn es um Wahrheit oder Lüge geht?
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Mittwoch, 2. Januar 2008, 19:00

Zitat

Das Fernsehen behilft sich in aktuellen Fällen, wenn es einordnen und analysieren will, oft mit Experten. Sie selbst erfahren es im Augenblick am eigenen Leibe. Ist das ein Notbehelf, weil man andere eigenständige Formen noch nicht entwickelt hat und weil die längere Bearbeitung an ausreichende zeitliche Vorbereitung gebunden ist!
Es ist natürlich auch billiger, eine solche Runde kostet ja kaum etwas. Wobei es für mich eine interessante kontrastierende Beobachtung war - aus eigener Erfahrung -, mit welchem enormen Aufwand ein Werbespot für die Bahn aufgenommen wurde, realisiert durch Wim Wenders. Mit dem Geld, das dort für zwei Minuten ausgegeben wurde, machen wir eine ganze Auslandsdokumentation. Das habe ich mit Neid gesehen.


Wenn ich so etwas lese, weiss man wie es um den investigativen Journalismus bestellt ist.
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5

Mittwoch, 2. Januar 2008, 19:02

es redet doch in dem intreview selbst über dinge bei denen er nicht dabei war, und gibt seine meinung als tatsache wieder.

und manches ist einfach nur unsinn. zb die sache mit attas abschiedsbrief.

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Mittwoch, 2. Januar 2008, 19:07

es redet doch in dem intreview selbst über dinge bei denen er nicht dabei war, und gibt seine meinung als tatsache wieder.

und manches ist einfach nur unsinn. zb die sache mit attas abschiedsbrief.
Also wenn Du dich schon festlegst, dann gewohn Dir an die betreffenden Stellen auch zu nennen. Damit man weiss was Du meinst.

Ja richtig, der Abschiedsbrief ist Unsinn, da geb ich Dir recht.
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Mittwoch, 2. Januar 2008, 19:17

Zitat

Leute, die einen solchen Anschlag so minuziös planen, lassen doch nicht ausgerechnet solche Appelle irgendwo in Mietautos liegen. Im Moment wird einfach schamlos gefälscht. Ich nehme an, daß auch die Amerikaner auf solche Sachen reinfallen. Ein Journalist kann das im Grunde nicht nachprüfen.


wieso sollten menschen keine abschiedsbriefe hinterlassen?? grad bei anschlägen in solcher dimension is es im gegenteil eher zu erwarten. es gibt doch auch videos diverser selbstmordattentäter.

da schreibt er auch noch das dies ein journalist nicht nachprüfen kann, er (der journalistengott) anscheinend aber doch.

peter scholl-latour analysiert in 3 sätzen.

recht gebe ich ihm, das er sich verhältnissmässig mehr erlauben darf als andere.

das er aber selbst massiv meinungsmache betreibt,verschweigt er. vor 2 jahren, ich suchs grad auf you-toube is er glaub ich bei ntv oder maischberger seiner aussagen wegen, die teilweise falsch waren, dermasen zerissen worden, das er mir erstens wirklich leid tan hat,aber dennoch nicht von seinem hohen ross runterkommen is.

gggg super war jedoch seine diskussion mit theologen über religion. selbst da meinte er, war vor ein paar wochen, er kenne sich eigentlich besser aus. :D

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Mittwoch, 2. Januar 2008, 19:20

Na klar, für Dich war der gefunden Reisepass in den Trümmern des WTC wohl auch Tatsache. Und mit dem Abschiedsbrief ist es schon immer wieder herrlich zu sehen wie manche Leute wohl alles schlucken was von CNN kommt.
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Mittwoch, 2. Januar 2008, 19:43

wieso sollte ein abschiedsbrief nicht existieren?
gibt es videos von attentätern vor ihren anschlägen denn auch nicht?

scholl-latour is/war sicherleich ein guter journalist, der viel erlebt und gesehen hat. aber seit geraumer zeit lebt er halt nur mehr von seinem namen oder seiner vergangenheit und spinnt sich oft irgendwas zusammen.

erinnert mich irgendwie an churchill. ein sehr guter premier in kriegszeiten, danach aber nicht mehr zeitgemäß, viel unsinn verzapfend und einfach nicht einsehend das er mit seinen vermutungen oft nur mehr daneben lag.

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Mittwoch, 2. Januar 2008, 19:55

wieso sollte ein abschiedsbrief nicht existieren?
gibt es videos von attentätern vor ihren anschlägen denn auch nicht?
Ja, aber die werden erst nach der Tat der Presse/Nachrichtenagenturen zugespielt und nicht irgendwo liegen gelassen.

Wo ich Dir zustimme ist, dass er sich mit seinen Progrnosen oftmals weit aus den Fenster lehnt. Manche treffen dann nicht so ein oder vielleicht auch überhaupt nicht. Doch kann ich mich noch sehr gut erinnern als er in der Presse deswegen zerissen wurde, nur weil er es sagte dass es aus den Osloer Verhandlungen keine Resultate geben wird. Da wurde er auch gebranntmarkt, weil es ja so schön war wie Rabin, Arafat, Perez und Clinton sich im Rosengarten umarmten. Und dann taucht der wieder auf und spuckt um sich.
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