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Freitag, 27. März 2009, 13:34

Text auf dem Wörgler Freigeld

An Alle:

Langsam umlaufendes Geld hat die Welt in eine unerhörte Wirtschaftskrise und Millionen schaffender Menschen in unsägliche Not gestürzt.

Der Untergang der Welt hat - rein wirtschaftlich gesehen - seinen furchtbaren Anfang genommen.

Es ist Zeit durch klares Erkennen und entschlossenes Handeln die abwärtsrollende Wirtschaftsmaschine zu retten, damit die Menschheit nicht in Bruderkriege, Wirrnisse und Auflösung und Auflösung getrieben werde.


Die Menschen leben vom Austausch ihrer Leistungen.


Der langsame Geld umlauf hat den Leistungstausch zum großen Teil unterbunden und Millionen arbeitsbereiter Menschen haben dadurch bereits ihren Lebensraum im Wirtschaftsgetriebe verloren.


Der Leistungstausch muß daher wieder gehoben und der Lebensraum für alle bereits Ausgestossenen wieder zurückgewonnen werden.


Diesem Ziele dient der Arbeitsbestätigungsschein der Marktgemeinde Wörgl:

Er lindert die Not, gibt Arbeit und Brot!


Wörgl (Tirol) am 23. Dezember 1932.
»ASY« hat folgendes Bild angehängt:
  • Wörglgeldrückseite.jpg

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Mittwoch, 1. April 2009, 21:06

Das Wunder von Wörgl

Zitat

Das Wunder von Wörgl

FINANZMARKT - Die krisengeschüttelten Regierungen der Welt pumpen Milliarden in ihre Wirtschaft. Ein riskantes Manöver, um die Konjunktur wieder anzukurbeln. Ist zu viel Geld unterwegs, droht Inflation.


Svenja Schönbeck BERLIN.

Das Jahr 1932 geht zu Ende. Die ganze Welt ist erschüttert von der bis dahin größten Wirtschaftskrise. Industriezweige brechen komplett zusammen, die Arbeitslosigkeit steigt. Armut und Verzweiflung greifen um sich. Nur ein kleiner Ort im österreichischen Tirol trotzt der Krise. Dort wird emsig gebaut, Geld ausgegeben und über sinkende Beschäftigungszahlen erfahren die Einwohner nur aus den Zeitungen und vom Hören-Sagen.

Zunächst aber geraten natürlich auch die gerade Mal 12 000 Einwohner der Stadt Wörgl in den Strudel der Weltwirtschaftskrise. Die Kohlebetriebe, Zellulose-Fabriken, die Handwerker und Landwirte der Stadt haben mit sinkender Nachfrage und Geldwertverfall zu kämpfen. Die Wörgler machen, was alle Menschen in Krisenzeiten machen. Sie geben nichts aus, sparen für noch härtere Zeiten. Das Geld staut sich in den Banken. Da keiner was kauft, staut sich die Waren in den Geschäftsregalen.

Doch dann kommt die Wirtschaft wieder in Fahrt mit Hilfe einer einfachen Idee: Regionalgeld. In der Theorie klingt das Modell bestechend einfach. Wer Geld hat, das in kurzer Zeit an Wert verliert und das nur in der Region gültig ist, wird es schnell und eben in der Region ausgeben. Der Konsum wird so angeregt, die Nachfrage steigt und alle sind zufrieden. Im Juli 1932 beginnt das Experiment. Es wird das Wunder von Wörgl.

Den Anfang machen die Mitarbeiter der Stadt. Bürgermeister Michael Unterguggenberger lässt das Gehalt von ihnen auf der örtlichen Raiffeisenkasse ruhen. In die Hand bekommen die Stadtangestellten statt Bares sogenannte Arbeitswertscheine. Das sind Gutscheine, die in ihrem Wert dem jeweiligen Gehalt des Angestellten entsprechen. Das Besondere an den Scheinen ist: Sie verlieren in einem Monat ein Prozent ihres Wertes. Den Verlust können die Mitarbeiter nur aufhalten, wenn sie die Gutscheine mit Wertmarken bekleben. Diese Marken müssen sie aber kaufen. Natürlich haben die Mitarbeiter auch die Möglichkeit, auf die Bank zu gehen, und sich ihr Gehalt in Schilling ausbezahlen zu lassen. Doch auch der Umtausch der Gutscheine in echtes Geld kostet eine Gebühr.

Gutscheine statt Geld
Und daher passiert, was beabsichtigt ist. Die Bewohner geben die Arbeitswertscheine lieber aus. Die Folgen sind sofort zu spüren: Es befindet sich ständig "Geld" im Umlauf. Das ist entscheidend für eine gut funktionierende lokale Volkswirtschaft.
Die Arbeitswertscheine wechseln häufig ihren Besitzer, die Geschäfte der Region nehmen die regionale Währung an und können somit ihre Steuern und Schulden bezahlen.

Unabhängig davon arbeiten die echten Schillinge auf der Bank und bringen Zinsen. Denn die lokale Raiffeisenbank verleiht sie an zahlungsfähige Großhändler weiter. Später verzichtet die Bank auf die Zinsen und überlässt sie stattdessen der Gemeinde.

Ebenfalls im Juli 1932 startet ein großes Konjunkturprogramm in Wörgl. Wie beim aktuellen Konjunkturprogramm geht es vor allem um Bauaufträge. Bei den sogenannten Notstandsarbeiten werden unter anderem Straßen kanalisiert und asphaltiert. Arbeiten im Wert von mehr als 100 000 Schilling werden in Auftrag gegeben. 50 bis 60 Jobs entstehen auf den Baustellen, mehrere Dutzend sind in der Zulieferung beschäftigt. Die Gemeinde bezahlt ihre Rechnungen aber nicht mit Geld, sondern wie ihre Angestellten mit Wertscheinen. Innerhalb kürzester Zeit akzeptieren alle Unternehmen und Geschäfte das sogenannte Freigeld als Zahlungsmittel und zahlen auch ihre Mitarbeiter damit aus. Die Müllnertal-Brücke am Eingang der Schlucht von Wörgl zeugt heute noch von dem damaligen Wirtschaftsprojekt. Ein Schild macht den Wanderer darauf aufmerksam: "Mit Freigeld erbaut".

Während im Krisenjahr 1932 in ganz Österreich ständig die Arbeitslosigkeit zunimmt und schließlich im Schnitt auf 19 Prozent steigt, fängt sie in Wörgl an zu sinken. Sie fällt auf 16 Prozent und die Tendenz zeigt weiter nach unten. Doch dann schreitet die Österreichische Nationalbank, ein Privatunternehmen, ein. Ein Jahr, nachdem das Projekt in Wörgl gestartet ist, klagt sie vor dem Verwaltungsgerichtshof. Sie sieht ihr Banknotenprivileg bedroht. Die Bank hat Erfolg, am 15. September 1933 müssen die Bewohner der Region das Experiment aufgeben. Dabei hat es im Jahr zuvor viele Befürworter gegeben. Unter anderem besucht der ehemalige französische Premierminister Édouard Daladier im Sommer 1933 den kleinen Ort in Österreich.

Heute hält der Verein Unterguggenberger Institut die Erinnerung an das Freigeld wach. Es gibt sogar ein Museum dazu in Wörgl. Nur ein weiteres Experiment mit Regionalgeld wird nicht mehr gewagt.
Bravo, die ersten Zeitungen schreiben sinnvoll!


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53

Donnerstag, 2. April 2009, 10:48

Das Wirtschaftwunder von Wörgl läßt sich momentan wohl nicht mehr so ganz totschweigen!

Heut steht ein Beitrag zum Wörgler Freigeld auf der openPR.de wo ein Fritz Schwarz ein Buch dazu vorstellt.

Zitat

„Freigeld ist ein Bargeld, das nie ohne Risiko oder Schaden gehamstert, thesauriert werden kann und stets in einer Menge im Umlauf erhalten wird, die dem Warenangebot entspricht, so daß seine Kaufkraft fest bleiben muss. Im Gegensatz zum heutigen Geld, dem Dauergeld, kann es also nie von Privaten ohne Risiko oder Schaden dem Umlauf entzogen und später nach Belieben wieder in den Umlauf gegeben werden.” (Fritz Schwarz)
http://www.openpr.de/news/296720/Fritz-S…haftskrise.html


Ich muss hier den für mich wichtigsten Punkt des Freigeldes überhaupt anführenr Und zwar den zwangsläufigen Schwund des gehorteten Geldes - der überhaupt erst die Differenz decken kann, wenn Geld für Mehrgeld verliehen wird. Somit bliebe immer die selbige Menge an Geld im Umlauf - gedeckt durch den Wert, der durch dieses erwirtschaftet wurde.

Denn so ließe sich mit Geld kein "tatenloser" Mehrwert erreichen (was es ja nicht gibt), sondern Geld wäre dort wo es sein sollte, im wirtschaftlichen Umlauf.
Wie könnte es so zu einer Wirtschaftskrise kommen?
Gedanken sind Deine wahre Macht - wenn Du Gedanken verstehst, bist Du wahrhaft mächtig !

54

Donnerstag, 2. April 2009, 11:52

Wie könnte es so zu einer Wirtschaftskrise kommen?
Wenn die Notenbank zu wenig Geld oder ggf. um einiges zu viel an Geld ausgeben würde.

Aber Freigeld alleine reicht nicht aus um die Defizite des jetzigen System auszugleichen. Ebenfalls müsste die Lohnschere wieder geschlossen werden. Das bedeutet ja nicht, dass alle gleich verdienen sollen, aber es muss ein vernünftiges Maß vorhanden sein.
Die glücklichen Sklaven
sind die
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Marie von Ebner-Eschenbach

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Donnerstag, 2. April 2009, 17:25

Aber Freigeld alleine reicht nicht aus um die Defizite des jetzigen System auszugleichen. Ebenfalls müsste die Lohnschere wieder geschlossen werden. Das bedeutet ja nicht, dass alle gleich verdienen sollen, aber es muss ein vernünftiges Maß vorhanden sein.
Das ist natürlich richtig, doch mit Freigeld ist die Unverhältnismäßigkeit gar nicht mehr möglich, zumal man für jede Bezahlung direkt tätig sein muss. Bei Schuldengeld braucht man nur ganz viele Schuldner und braucht überhaupt nix tun.

Hier bin ich auf eine Seite gestoßen, die sich mit Freigeld, besonders mit dem Wörgler Wirtschaftswunder beschäftigt.
http://www.chiemgauer-rundschau.de/index…gionalgeld.html

56

Donnerstag, 2. April 2009, 23:16

Das ist natürlich richtig, doch mit Freigeld ist die Unverhältnismäßigkeit gar nicht mehr möglich, zumal man für jede Bezahlung direkt tätig sein muss. Bei Schuldengeld braucht man nur ganz viele Schuldner und braucht überhaupt nix tun.
Natürlich nicht wie jetzt, aber möglich sehr wohl. Übt jemand den Beruf X aus bei dem die Nachfrage sehr hoch, das Angebot aber sehr niedrig ist, ergibt sich alleine daraus schon ein höherer Verdienst. Ziehen somit wenige Gruppen überproportional Geld an sich kann ein gewisses Ungleichgewicht entstehen, das mit Sicherheit nicht so groß wie heute sein aber dennoch existieren kann.
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Donnerstag, 2. April 2009, 23:48

Übt jemand den Beruf X aus bei dem die Nachfrage sehr hoch, das Angebot aber sehr niedrig ist, ergibt sich alleine daraus schon ein höherer Verdienst. Ziehen somit wenige Gruppen überproportional Geld an sich kann ein gewisses Ungleichgewicht entstehen, das mit Sicherheit nicht so groß wie heute sein aber dennoch existieren kann.
Ich denke nicht, dass dies zum Problem wird, weil beliebte Jobs weniger Gegenwert einbringen als unbeliebte. Ich kann mir schon vorstellen, dass ein Mülltaucher mehr verdient als ein Ingenieur oder Arzt.

58

Sonntag, 3. Mai 2009, 18:53

Zitat

FINANZEN 20.04.2009
Wörgler Freigeld trotzte Weltwirtschaftskrise
Während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren war Wörgl so gut wie bankrott. Bürgermeister Michael Unterguggenberger rief damals ein Projekt ins Leben, das als "Wunder von Wörgl" Geschichte schreiben sollte. Der Ort druckte kurzerhand sein Geld selbst.
Überall in Wörgl wurde gebaut und investiert
In seiner Not beschloss der findige Bürgermeister gemeinsam mit dem Gemeinderat, die Theorien des Ökonomen Silvio Gesell über Freigeldwirtschaft umzusetzen. Der Ort begann, sein eigenes Freigeld zu drucken.
Arbeitslosigkeit nahm ab
Der Erfolg des Experiments war überwältigend. Überall in Wörgl wurde gebaut und investiert. In 14 Monaten nahm die Arbeitslosenquote von 21 auf 15 Prozent ab, während sie im übrigen Österreich weiter anstieg.
Scheine verloren automatisch an Wert
Um sicherzustellen, dass das Geld nicht erneut gehortet und die Krise damit fortgesetzt würde, wurde die Währung als "Schwundgeld" konzipiert - nach einem Monat verloren die Scheine automatisch an Wert.
Der Effekt: Die Menschen konsumierten ihren Lohn und ihre Gewinne unverzüglich und brachten das Geld so wieder in den allgemeinen Umlauf.
Nationalbank ging vor Gericht
Die Nationalbank setzte dem Wunder schließlich ein juristisches Ende. Die Bank zog vor Gericht, da nur ihr die Ausgabe von Geld gestattet war.
Trotz des empirisch unzweifelhaft erwiesenen Erfolgs und einer erheblichen Linderung der Not in der Gemeinde entschied der österreichische Verwaltungsgerichtshof im November 1933 endgültig gegen das Sozialexperiment.

Quelle

Sachen gibts, die wurden extra verboten! Aber vermutlich wird man aber die nicht einführen! Trotzdem schön, das gerade solche Sachen erst jetzt wieder veröffentlicht werden! :roll:
Asy, :up

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Montag, 4. Mai 2009, 19:00

Zitat

Der Geldzauberer

Vor 70 Jahren beendete der Wiener Verwaltungsgerichtshof das spektakulärste Geldexperiment der Wirtschaftsgeschichte:
Der Tiroler Ort Wörgl hatte mit einer Lokalwährung erfolgreich die Deflation der dreißiger Jahre bekämpft – 170 österreichische Gemeinden wollten sich dem Versuch anschließen.


Text: Thomas Wendel
http://www.brandeins.de/home/inhalt_deta…gID=1&umenuid=1
Hier auch noch als PDF-Download. Der Werdegang und die Vernichtung des Wörgler Freigeldes werden hier sehr deutlich beschrieben.
»ASY« hat folgende Datei angehängt:

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