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Mittwoch, 16. Juli 2008, 10:45

Quatsch mit Qwerty

Zitat

Weil Gewohnheit stärker ist als Vernunft, benutzen wir seit hundert Jahren eine elende Tastatur. Das wird sich so bald nicht ändern.

Von Mikael Krogeru

Die Anordnung der Buchstaben auf der Tastatur hat eine seltsame Geschichte. Weil sich die Typen der ersten Schreibmaschinen bei schnellem Tippen verhakten, verteilte Christopher Sholes 1873 die Buchstaben auf der Tastatur so, dass man unmöglich schnell schreiben konnte. Wichtige Buchstabenfolgen legte er weit auseinander, die drei häufigsten Buchstaben der englischen Sprache, E, A und T, placierte er, für Rechtshänder tückisch, auf die linke Seite. Weil die oberste Reihe mit Qwerty (im Deutschen leicht verändert: Qwertz) begann, erhielt die Tastatur diesen Namen. Das wirklich Erstaunliche: Obwohl der Grund für die bewusst unergonomische Anordnung längst Geschichte ist, lebt Qwerty auch im Computerzeitalter weiter.

Warum eine einstmals brillante und heute unsinnige Erfindung über hundert Jahre lang nicht verbessert wurde, erklärt sich mit dem «Lock-in-Prinzip»: Weil Forscher die Zehnfinger-Blindschreibemethode auf dem fingerfeindlichen Qwerty-System der Remington-Schreibmaschine entwickelten, lernten Büroangestellte auf Qwerty schreiben. Dadurch wurden mehr Qwerty-Schreibmaschinen gekauft, was wiederum die Nachfrage nach Zehnfinger-Schreibkursen erhöhte. Diese Wechselwirkung zwischen Technologie, Gewohnheit und Markt verschaffte Qwerty ein Monopol. 1893 ersetzte George Blickensderfer die her kömmliche Buchstabenfolge mit DHIATENSOR. 70 Prozent der Wörter im Englischen lassen sich mit diesen elf Buchstaben schreiben. Eine geniale, chancenlose Erfindung.

Bitte weiter lesen ...

Hier sieht man wieder einmal wie sehr uns alte Regelungen und Standardisierungen aus der Vergangenheit in die Zukunft begleiten obwohl sich Vieles längst überholte!


Weitere Normen welche doch nicht so genau sind wie man meinen möchte, findet man hier!
Die glücklichen Sklaven
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2

Mittwoch, 16. Juli 2008, 14:15

Warum ist der Schienenabstand genau 1435 mm?

Zitat

Spurbreite

Die Spurbreite von Eisenbahnen in den USA und in Kanada (der Abstand zwischen den Gleisen) ist 4 Fuß 8.5 Zoll. [Dies ist auch der Spurabstand hierzulande mit 1435 mm.] Das ist eine außerordentlich krumme Zahl. Warum wurde gerade diese Spurbreite verwendet? Weil Eisenbahnen so in England gebaut worden waren, und die Eisenbahnen der USA wurden von englischen Auswanderern gebaut. Warum hatten die Engländer sie so gebaut? Weil die ersten Eisenbahnlinien von denselben Leuten gebaut worden waren, die im Vor-Eisenbahn-Zeitalter die Straßenbahnlinien gebaut hatten, mit eben jener Spurbreite. Und warum hatten die Straßenbahn-Leute jene Spurbreite benutzt? Weil sie dieselben Werkbänke und Werkzeuge verwendet hatten wie beim Bauen von normalen Wagen, welche auch diesen Radabstand hatten. Nun gut. Aber warum hatten die Wagen genau diesen Radabstand? Weil die Räder der Wagen sonst zu Bruch gegangen wären beim Fahren auf gewissen Fernstraßen in England, weil diese Straßen tief eingefahrene Rillen in diesem Abstand hatten. Wer hatte diese Straßen gebaut, die so alt waren, dass die Wagen tiefe Furchen gefahren hatten? Die ersten Fernstraßen in England, wie überall in ganz Europa, waren vom kaiserlichen Rom für seine Legionen gebaut worden und immer noch in Gebrauch. Und die Furchen in den Straßen? Die ursprünglichen Furchen, auf die jedermann Rücksicht nehmen musste, aus Angst, sonst die Wagenräder zu Bruch zu fahren, stammten von römischen Streitwagen, von Streitwagen, die überall im Römischen Reich gleich waren punkto Radabstand.

Die Standard-Eisenbahn-Spurbreite in den USA von 4 Fuß 8.5 Zoll ist abgeleitet von der ursprünglichen Spezifikation für römische Streitwagen. Spezifikation und Bürokration sind unsterblich. Wenn Sie also das nächste Mal irgendeine Spezifikation vorgelegt bekommen und sich wundern, welcher Pferde-Arsch wohl darauf gekommen ist, könnten Sie genau ins Schwarze treffen, weil nämlich der römische Streitwagen genau so breit gemacht worden war, dass er Platz bot für zwei Hintern von Armee-Pferden. Damit haben wir endlich die Antwort auf die ursprüngliche Frage.

Es gibt noch eine interessante Fortsetzung dieser Geschichte mit Eisenbahn-Spurabständen und Pferde-Hintern. Wenn man sich den Space Shuttle ansieht, wie er auf dem Startplatz steht, bemerkt man zwei Hilfsraketen an den Seiten des großen Haupt-Treibstofftanks. Dies sind Feststoffraketen, "solid rocket boosters", kurz SRB. Diese SRB werden von der Firma Thiokol in einer Fabrik in Utah hergestellt. Die Ingenieure, welche die SRB konzipiert hatten, hätten sich diese eigentlich etwas dicker gewünscht. Aber die SRB mussten per Eisenbahn von der Fabrik zum Startplatz transportiert werden. Die entsprechende Eisenbahnlinie verlief durch einen Tunnel in den Bergen, und die SRB mussten natürlich durch diesen Tunnel passen. Der Tunnel ist ein wenig breiter als die Schienen, und die Schienen haben etwa den Abstand von zwei Pferde-Hintern nebeneinander. So kommt es, dass ein wichtiges Feature eines der modernsten Transportsysteme der Welt vor zweitausend Jahren festgelegt wurde mit Hilfe der Breite des Hintern eines Pferdes.

http://www.scheissprojekt.de/spezifikationen.html
Es geht immer noch schlimmer als man denkt.

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Mittwoch, 16. Juli 2008, 15:21

Das mit den Eisenbahnschienen und den Pferdeärschen, dass hab ich schon in Verbindung mit Coelho's "Der Zahir" hier ins Forum gestellt.

Wo kämen wir denn da hin, wenn wir uns auf unserem entwickelten, technischen Weg von derartigen Maßen wegbewegt hätten.
Gedanken sind Deine wahre Macht - wenn Du Gedanken verstehst, bist Du wahrhaft mächtig !

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