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Maria

Lieber Hydrokultur als gar keine Bildung!

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1

Samstag, 8. November 2008, 13:59

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.



Kurt Tucholsky
Kurt Tucholsky, wortsicherster Journalist der Weimarer Republik, polarisierte zu Lebzeiten und weit über seinen Tod hinaus. Sein Zitat "Soldaten sind Mörder" sorgt noch heute für geteilte Reaktionen. Tucholsky jedoch nur als politischen Journalisten zu sehen, greift zu kurz: Die meisten seiner Texte sind heiter und geprägt von einem speziellen Witz, der oft die herrschenden Gesellschaftsverhältnisse beschreibt und kommentiert.
Tucholskys oftmals lockerer und heiterer Stil steht in Kontrast zu seinem ruhelosen Leben. In Deutschland fühlte er sich nicht wohl, auch Paris war ihm nur vorübergehend eine Heimat. Tucholsky blieb sein Leben lang auf der Suche nach innerem Frieden und Geborgenheit, doch gesundheitliche und psychische Probleme zerstörten ihn langsam. Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 gehörte Kurt Tucholsky zu den ersten, die ausgebürgert wurden. Depressiv und schwerkrank beging er 1935 im schwedischen Exil Selbstmord.
Ein wacher Geist weiß das in der Rache nichts als Zerstörung liegt.

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2

Samstag, 8. November 2008, 14:05

wie wahr, wie wahr!

ASY

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3

Samstag, 8. November 2008, 17:31

Jetzt hamma dieses Gedicht schon dreimal im Forum, was ich sehr gut finde, weil die Verbreitung funktioniert und die Leute in der Sache sensibilisiert werden.

4

Samstag, 8. November 2008, 23:19

Es ist auch deswegen gut, dass dieses Gedicht so oft wie möglich verbreitet, weil so die Leute vielleicht erkennen können, dass sich auch während oder nach dieser Krise am System nichts ändern wird.

Tucholsky kritisierte mit diesem Gedicht das System um 1930 und es passt 1:1 in die heutige Zeit! Wem da kein Licht aufgeht ...
Die glücklichen Sklaven
sind die
erbittertsten Feinde der Freiheit!

Marie von Ebner-Eschenbach

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5

Samstag, 8. November 2008, 23:52

Wem da kein Licht aufgeht ...
Tatsächlich, wer brennt eigentlich noch nicht und warum?

6

Sonntag, 9. November 2008, 00:00

Tatsächlich, wer brennt eigentlich noch nicht und warum?
Gut möglich, dass man es einfach auf Grund einer gespürten und allseits präsenten Ohnmacht nicht wahr haben will.

Ich meine, wir erleben dies doch bei fast allen Wahlen. Eine oder zwei Parteien murksen sich mehr schlecht als recht durch, aber den neuerlichen Versprechungen - obwohl die alten nicht eingehaltenen gar nicht lange zurück liegen - erliegen wieder zahlreiche WählerInnen.

Und jetzt bei der Finanzkrise vertrauen die meisten wieder auf die Politiker, dass die das schon regeln werden. "Immerhin zahlen wir ja jetzt kräftig mit Steuergelder Zuschüsse, da wir die Politik schon Druck machen!" :suspect: :roll:

"Und man trifft sich ja jetzt des Öfteren, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert!" :suspect: :roll:
Die glücklichen Sklaven
sind die
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Marie von Ebner-Eschenbach

7

Dienstag, 11. November 2008, 22:50

Es ist auch deswegen gut, dass dieses Gedicht so oft wie möglich verbreitet, weil so die Leute vielleicht erkennen können, dass sich auch während oder nach dieser Krise am System nichts ändern wird.

Tucholsky kritisierte mit diesem Gedicht das System um 1930 und es passt 1:1 in die heutige Zeit! Wem da kein Licht aufgeht ...
Jetzt muss ich mich selber korrigieren, das Gedicht hat zwar Tucholsky in der Weltbühne veröffentlicht, geschrieben hat es aber anscheinend ein Richard G. Kerschhofer.

Naja, stimmen tut's trotzdem.
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Marie von Ebner-Eschenbach

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