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Montag, 22. Februar 2010, 14:33

Feminismus neu erklärt: salonfähiger Sexismus, am Beispiel von Iris Radisch

Der Teufel im Detail

Iris Radisch, ihres Zeichens Kulturjournalistin der Wochenzeitung DIE ZEIT, hat in der aktuellen ZEIT-Ausgabe deutlich gemacht, wie sie den modernen Feminismus definiert und welch gewaltigen Spielraum sie bereit ist, ihm zuzugestehen.

Der Anlass freilich ist ein ganz merkwürdiger: Die eben erst 18 Jahre jung gewordene Deutsche Helene Hegemann hat vor wenigen Wochen bei Ullstein einen vorerst euphorisch gefeierten Erstling veröffentlicht. "Axolotl Roadkill", so der sperrig-dynamische Titel ihres Romandebuts. Dann die große Ernüchterung: die junge Dame hat - ohne Quellen zu nennen - abgeschrieben, diverse Blogger sehen sich um ihr geistiges Eigentum betrogen, der gesamte Kulturbetrieb findet sich plötzlich in einer unüberschaubaren Keilerei rund um Urheberrecht und künstlerische Freiheit wieder. Durch diese Staubwolken hindurch beschreitet Iris Radisch ganz eigene Wege. Sie nämlich hat erkannt, worum es den Kritikern Hegemanns in Wahrheit geht: um die Aufrechterhaltung chauvinistisch-machistischer Geltungspfründe. Auf einer Seite, um nicht zu sagen einseitig, erklärt sie uns, "warum das männliche Kulturestablishment auf Helene Hegemann einschlägt".

Bereits der Titel ihres Kommentars verweist auf die Allianz, die Radischs eigene Biographie mit der "begabten jungen Frau" zu schließen vermag: "Die alten Männer und das junge Mädchen", gerade so, als dürften wir des Weiteren an Radischs intimsten Erfahrungen mit Karasek und Co teilhaben. Aber nein, falsch geraten, der Teufel schläft nicht nur nicht, er steckt auch noch im Detail, und deshalb sagt frau "Mädchen", und nicht "Ding", so wie dies etwa Radisch zufolge "Altmeister Willi Winkler [...] in der Süddeutschen Zeitung" tut. "Junges Ding" sagt er da, um genau zu sein, und das ist wohl Grund genug, um über den Kern der Plagiatsdebatte ein Netz von feministischer Willkür zu spannen, die ihresgleichen sucht.

Dabei spielt, so scheint’s auf den ersten Blick, ein ganzer Klub alter Herren Frau Radisch in die Schreibhand. Für Thomas Steinfeld beispielsweise, gleichfalls alt genug für die Süddeutsche, ist der "Teenager" Hegemann "naseweis" und "giert nach Geltung". Und für FAZ-Redakteur Jürgen Kaube, Jahrgang 62 und damit rein theoretisch Hegemanns Opa (bzw. Radischs jüngerer Bruder), ist die unfromme Helene gar nur das "junge Célinchen". Klar, dass angesichts derartiger sexistischer Entgleisungen ab hier der Feminismus die Feder führt. Umso bemerkenswerter, dass eben dieser Feminismus u.a. das Fehlen der "einfachsten Gentlemangebote" moniert. Wie aber nun den Pelz waschen, ohne ihn nass zu machen?

Mit dieser Gretchen- bzw. Gretelfrage kämpft der Feminismus nicht erst seit Frau Radischs Engagement gegen das Böse, sprich das Männliche in der Literaturwelt. Iris Radisch hat sie jedoch neu aufgeworfen, und wären sämtliche Geschlechterrollen im Spiel um Axolotl Roadkill umgekehrt, man würde ihr wohl zu Recht sexistische Willkür zu einem völlig konträren Thema unterstellen. So aber tut sie das, was man ihr als Frau durchgehen lässt: Sie führt sich auf wie ein alter, in seinen Sexismen verbissener Macho. Und stellt dadurch die feministische Grundidee der Gleichbehandlung von Männern und Frauen nicht nur in Frage, sondern weist sie entschieden zurück.

ganzer Artikel von Iris Radisch:
http://www.zeit.de/2010/08/Helene-Hegemann-Medien
man muss aufpassen, dass schreibspeise nicht zu speischreibse wird

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