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Montag, 25. Oktober 2010, 16:42

Gottes Bankster

Hintergrund. Gegen die Vatikanbank wird wegen Geldwäsche ermittelt. Das im persönlichen Eigentum des Papstes befindliche Geldinstitut IOR wird seit Jahrzehnten zahlreicher ­schwerer Delikte beschuldigt

Von Gerhard Feldbauer



Hoher Besuch in Castel Gandolfo: Joseph Ratzinger alias Benedikt XVI. empfängt den Zuständigen für fromme Finanzgeschäfte, Ettore Gotti Tedeschi (September 2010)

Foto: AP

Am 20. September teilte die römische Staatsanwaltschaft offiziell mit, daß sie gegen die Bank des Vatikans, die sich sinnigerweise Istituto per l’Opere religiose (IOR, Institut für religiöse Werke) nennt, wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. In die Untersuchung sind der Präsident des IOR, Ettore Gotti Tedeschi, und sein Generaldirektor, Paolo Cipriani, persönlich einbezogen. Die beiden Bankoberen werden beschuldigt, gegen das 2007 verabschiedete Geldwäschegesetz verstoßen zu haben, indem sie die italienische Zentralbank nicht wie vorgeschrieben über Absender und Empfänger von Transfers über 5000 Euro informierten. In welcher Höhe das Limit überschritten wurde, ist bisher nur aus zwei Kontobewegungen über 23 und drei Millionen Euro bekannt, die das IOR von einem offenbar anonymen Konto angeschoben haben soll. Die Beträge, die an die Frankfurter Niederlassung von J. P. Morgan und die römische Banca del Fucino gingen, wurden beschlagnahmt. Die neuen Anschuldigungen treffen den Vatikan besonders schwer. Gotti, der vorher Berater bei McKinsey und danach in der großen europäischen Privatbank Santander war, wurde erst 2009 vom Papst als neuer IOR-Chef eingesetzt und sollte vor allem den schlechten Ruf der Vatikanbank (von dem gleich die Rede sein wird) beheben. Im Vatikan beließ man es deshalb nicht bei Unschuldsbeteuerungen, sondern forderte umgehend die konfiszierten Beträge zurück. Daß dabei auch noch die guten Beziehungen und die persönliche Freundschaft Tedeschis zu Giulio Tremonti, dem Finanzminister Silvio Berlusconis, ins Spiel gebracht werden, dürfte allerdings wenig hilfreich sein, laufen doch gegen den Regierungschef selbst gerade wieder zwei Ermittlungen wegen Korruptionsaffären.

Bischöfe und Putschisten


Wirft man einen Blick zurück auf die letzten Jahrzehnte, dann sind die Bekundungen des Heiligen Stuhles, man sei über die Vorgänge bestürzt und erstaunt, keinen Pfifferling wert und können, auf Benedikt XVI. bezogen, wieder einmal nur als pure Heuchelei verstanden werden. Auch kann angenommen werden, daß es sich bei den bekanntgewordenen Fakten nur um die sprichwörtliche Spitze des Eisberges handeln dürfte. Das IOR ist, obwohl meist als Vatikanbank bezeichnet, durch Erlaß Pius XII. (Papst 1939–1958) vom 24. Januar 1942 Privatbesitz des Papstes, der auch ihre Gewinne einnimmt. Damals wurden die Milliardenbeträge, die der italienische Staat dem Heiligen Vater im Rahmen der 1929 geschlossenen Lateranverträge zahlte und die sich seitdem beträchtlich vermehrt hatten, aus der Finanzverwaltung des Kirchenstaates herausgelöst und in das IOR überführt. Die Bank legt weder Bilanzen noch Geschäftsberichte vor. Sein Budget bestreitet der Vatikan nach internen Angaben aus Spenden und Zuschüssen, Mieteinnahmen, Verpachtungen, dem Verkauf der weltweit begehrten Briefmarken und Münzen. Paul VI. (Papst 1963–1978) übertrug die Leitung des IOR 1970 dem Erzbischof Casimir Marcinkus. Von dessen krimineller Rolle wird noch die Rede sein. Als der heutige deutsche Papst im November 1981 als Kardinal Joseph Ratzinger in Rom das Amt des Präfekten der Glaubenskonkregation antrat, steckte der Vatikan tief im schmutzigsten Skandal der Nachkriegsgeschichte. Im März des Jahres war die mit Geheimdienstkreisen, Regierungsmitgliedern, der Finanzwelt, der Mafia und höchsten kirchlichen Würdenträgern verquickte faschistische Putschloge Propaganda Due (P2) aufgedeckt worden. Der Altfaschist aus Mussolinis Zeiten Licio Gelli hatte die Loge Anfang der 70er Jahre im direkten Auftrag der CIA gegründet. Er bildete ein Dreierdirektorium, in das er den Sozialistenchef Bettino Craxi und den späteren Medientycoon und heute reichsten Kapitalisten des Landes, Silvio Berlusconi, derzeit noch Regierungschef, aufnahm. Anfang der 90er Jahre kam durch Prozesse gegen Wirtschaftskriminelle ans Licht, daß die P2 Korruption und Bestechung im Ausmaß von Milliarden Dollar betrieb. Die Publizisten Giovanni Ruggeri und Mario Guarino enthüllten, daß die Loge das Mediumimperium Berlusconis aufbaute, dessen Forza-Partei initiierte und ebenso den Sozialistenchef Bettino Craxi an die Spitze der Italienischen Sozialistischen Partei (PSI) hievte und sogar als einen neuen »Duce« in Reserve hielt.1 Berlusconi kam in über einem Dutzend Prozessen in letzter Instanz dank ihm höriger Juristen bisher ungeschoren oder mit einem blauen Auge davon. Seine Verurteilung wegen falscher Zeugenaussage (Leugnung seiner Mitgliedschaft in der P2) konnte er jedoch nicht niederschlagen. Sein Einspruch wurde in allen drei Instanzen zurückgewiesen. Craxi dagegen wurde rechtskräftig zu insgesamt 26 Jahren Gefängnis verurteilt. Vor der Vollstreckung floh er nach Tunis, wo er im ­Januar 2000 verstarb.




Komplott mit der Mafia


Der Loge gehörten nach unvollständigen Angaben weit über 2500 Spitzenleute aus allen Bereichen der Gesellschaft – von Militärs, der Wirtschaft und Hochfinanz über die Legislative und Exekutive bis zu Juristen, Wissenschaftlern und Journalisten – an. Als Führungszentrale der von der CIA mit Hilfe der Faschisten des Movimento Sociale Italiano (MSI) und der geheimen NATO-Truppe Gladio betriebenen terroristischen Spannungsstrategie wollte die Putschloge die verfassungsmäßige Ordnung stürzen und ein Regime faschistischen Typs an die Macht bringen. Nachdem 1964, 1970 und 1973/74 offene Putschversuche gescheitert waren, plante die P2 mittels eines »Cólpo bianco«, eines kalten Staatsstreiches, einen als »demokratische Umgestaltung« getarnten Umsturz herbeizuführen. In diesem Sumpf der Verbrechen steckte der Vatikan, wie im weiteren belegt wird, bis zum Hals mit drin. Denn die P2 war gleichzeitig ein Verbindungszentrum zwischen der Vatikanfinanz und den verschiedenen Gruppierungen der sizilianisch-US-amerikanischen Mafia. Die Kurie störte es nicht im geringsten, daß sie sich mit einer ihren klerikalen Lehren zuwiderlaufenden Freimaurerloge zusammentat.

119 Mitglieder aus der Welt der Banken und Hochfinanz verdeutlichen den hohen Stellenwert dieses Sektors in den Plänen der P2. Sie beherrschte zwei der sowohl national wie international einflußreichsten Institute: den Banco Ambrosiano (BA) und den Banco Nazionale del Lavoro. Der führende Politologe Italiens, Giorgio Galli, hat in seinem Buch »Staatsgeschäfte, Affären, Skandale, Verschwörungen« ausführlich dargelegt, wie der von der P2 beherrschte BA zum »Begegnungszentrum zwischen Vatikanfinanz und den innersten Gruppierungen der sizilianisch-amerikanischen Mafia« wurde. An Hand zweier Finanzhaie, Roberto Calvi und Michele Sindona, beide Vertrauensleute der Vatikanbank IOR, belegte Galli die Komplizenschaft der Kurie mit dem organisierten Verbrechertum, insbesondere der Mafia, und ihre Beteiligung an Korruptionsaffären der übelsten Art. Später stieß IOR-Chef Marcinkus zu ihnen.

Sindona begann sein Geschäftsleben während der Besatzungszeit der USA 1943 auf Sizilien, wo er Zigaretten und andere Waren aus Beständen der US-Army auf dem Schwarzen Markt verhökerte. Dann stieg er in Grundstücksspekulationen ein. 1950 war der damals 33jährige bereits Millionär und einer der großen internationalen Finanzhaie. Er gründete ein Mafiakreisen, der P2 und dem IOR dienendes Riesenunternehmen. Es entstand, schrieben die Publizisten Paolo Panerai und Maurizio De Luca, in »Europa und den USA ein Imperium ohnegleichen, mit Tausenden Verzweigungen in allen Wirtschaftsbereichen, von Banken über Finanzgesellschaften, Immobilienunternehmen und Elektronikkonzernen bis zu Textilbetrieben und großen Hotels, darunter das berüchtigte Watergate in Washington. Sindona wurde Vertrauensmann des Vatikans und Teilhaber großer englischer und amerikanischer Banken, so den Hambro von London und der Continental Illinois Bank von Chicago, und »Beherrscher der italienischen Börse«.2 Er beriet Richard Nixon in Geschäftsangelegenheiten und unterhielt beste Kontakte zum Weißen Haus, pflegte gute Beziehungen zur CIA und ins Pentagon.

Die Sucht nach immer größeren Profiten und neuen Unternehmungen und Spekulationen mit schwindelerregenden Summen brachten dem Finanzmagnaten 1974 den Zusammenbruch. Sein Sturz wurde mit dem Bankrott von vier Großbanken, die ihm gehörten oder an denen er die Mehrheitsanteile hielt, darunter die Franklin National Bank von New York, besiegelt. Sindona floh in die USA, wo er im Juni 1980 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und anschließend nach Italien ausgeliefert wurde. Hier wurde er u.a. wegen diverser Bilanzfälschungen, des Heroinhandels zwischen Italien und den USA in Höhe von jährlich 600 Millionen Dollar und der Anstiftung zum Mord angeklagt. Hohe Vertreter der Politik (Ministerpräsident Andreotti), der Wirtschaft (Staatsbankpräsident Carli) und des Vatikans (die Kardinäle Caprio und Guerri sowie Ezbischof Marcinkus) versuchten vergebens, ihn zu retten. Als Sindona drohte, »klingende Namen« zu nennen, wenn der Prozeß gegen ihn nicht eingestellt werde, schlug die Omertà (Schweigeprinzip der Mafia – d. Red.) zu. Vier Tage nach der Verkündung der lebenslangen Haftstrafe starb er am 22. März 1986 in seiner Zelle an einer Überdosis Zyankali. »Mi hanno avvelenato« (»sie haben mich vergiftet«) waren seine letzten überlieferten Worte.3

Am Beispiel des erwähnten Katholiken Giulio Andreotti wird deutlich, wie maßgebliche Vertreter der Democrazia Cristiana (DC) und Regierungskreise in das Geflecht von Mafia, Vatikan und P2 eingebunden waren. Der siebenmalige Ministerpräsident Andreotti wurde immer wieder verdächtigt, der P2 anzugehören, ja sogar ihr eigentlicher Chef gewesen zu sein. In den 90er Jahren wurde er der Komplizenschaft mit der Mafia und im Zusammenhang mit dem Anschlag auf Aldo Moro der Anstiftung zum Mord angeklagt und verurteilt. In der Revision konnten seine Anwälte einen Freispruch nur wegen Mangels an Beweisen durchsetzen.
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Zum vollen Text:
http://www.jungewelt.de/2010/10-25/018.php
Der Anti-Jagd Blog
Mordfreie Wälder und wildes Leben, sollte es ruhig öfters geben!

Tierrechte Blog

Der Palästina Blog
"Im Vergleich zu Avigdor Lieberman sind Jean-Marie Le Pen und Jörg Haider so harmlos wie Max und Moritz."
Uri Avnery

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Montag, 25. Oktober 2010, 21:00

Wenn ich Vatikan, Papst und Mafia höre, dann ist vorübergehend das Wort "Überraschung" nicht existent. Es ist fest anzunehmen, dass in allen Staaten der Erde lauter Gauner das Sagen haben, denn die Guten kommen nie an die Spitze der Herrschaft, nur die Schlechten. :schulter:

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